Textilien aus Hanf als nachhaltige und umweltschonende Alternative

Da die Textilindustrie einen riesigen Einfluss auf unsere Umwelt und unser Klima hat, liegt es im Interesse der Allgemeinheit, dass wir diesen Einfluss so bewusst wie möglich versuchen zu minimieren. Hanf gilt als einer der nachhaltigsten Rohstoffe der Zukunft, weshalb das Interesse steigt. Doch ist er das wirklich?


Biobaumwolle benötigt zwar weniger Wasser als konventionelle Baumwolle, dennoch lässt sich das Problem des hohen Wasserverbrauchs nicht von der Hand weisen. Dazu kommt, dass unabhängig davon, ob es sich um Biobaumwolle handelt oder nicht – der Umstand, dass die Pflanze lediglich in tropischen Gebieten wächst und gedeiht, zu einer hohen CO²-Emissione aufgrund des Transportes führt. Hauptanbauländer von Baumwolle sind China, Indien, Pakistan und die USA. Von dort aus muss der Rohstoff erstmal zur Weiterverarbeitung gelangen um dann am Ende seiner langen Reise bei uns in die Regale einsortiert oder auf den Kleiderbügeln aufgehängt zu werden.


Dies ist der erste Punkt, in dem die alte Naturfaser Hanf die Baumwolle nach langer Zeit vom Thron stoßen könnte. Hanf ist in vielerlei Hinsicht nachhaltig – die Möglichkeit des Anbaus in Deutschland ist dabei ein ausschlaggebendes Kriterium. Die genügsame Pflanze ist eine der ältesten Nutzpflanzen in Europa und erzielt in Deutschland Erträge bis zu acht Tonnen pro Hektar. Der Import aus anderen Ländern ist daher nicht notwendig. Die CO²-Emission beschränkt sich demnach lediglich auf die Aussaat und Ernte des heimischen Rohstoffes. Ein weiterer Vorteil in Sachen Nachhaltigkeit ist die Widerstandsfähigkeit der Pflanze. Kaum eine andere Nutzpflanze wird so selten von Krankheiten und Schädlingen befallen wie die Hanfpflanze. Aufgrund ihres intensiven Eigengeruchs durch die enthaltenen Terpene schreckt die Pflanze die Parasiten in die Flucht. Dazu kommt, dass die Pflanze eine beachtliche Wuchshöhe von bis zu vier Metern aufweist. Dadurch wirft sie einen großen Schlagschatten und macht es dem Unkraut und jeglichen anderen Pflanzen unter ihr sehr schwer, sich auszubreiten. Eine Behandlung mit Pestiziden ist demnach nicht notwendig, was wiederum einen erheblichen Vorteil für Mensch und Natur mit sich bringt. Viele Bauern nutzen die Hanfpflanze außerdem gerne als Zwischenfrucht, um die Qualität des Bodens zu verbessern. Aufgrund ihrer Wurzeln, die teilweise bis zu 140 Zentimeter Länge aufweisen, ist die Hanfpflanze dazu in der Lage, festen Boden bis in die Tiefe von ganz allein wieder aufzulockern. Die langen Wurzeln bringen einen weiteren großen Vorteil mit sich: Das verzweigte Wurzelsystem kommt in sehr tiefe Erdschichten, weshalb eine zusätzliche Bewässerung der Pflanze kaum notwendig ist. Im Gegenteil, bei zu viel Wasser könnten sie verfaulen. Selbst in niederschlagsarmen Anbaugebieten mit einem Jahresniederschlag von nur 579 Millimetern, kann die Pflanze ertragreich angebaut werden. Man hat herausgefunden, dass Hanfpflanzen Wasser sechsmal effizienter verwerten als Baumwolle. Selbst bei Trockenheit produziert die Pflanze ausreichend Biomasse und Fasern.


Die vielen Vorteile gegenüber der Baumwolle kann der Hanf erst ausspielen, wenn dieselbe Produktivität wie bei Baumwollfasern verzeichnet werden kann. Damit ist insbesondere der Energieeinsatz pro Kleidungsstück gemeint. Noch liegt die Baumwolle auf dem vorderen Platz. Bereits bei der Ernte stoßen viele Bauen beim Hanf an ihre Grenzen. Die herkömmlichen Maschinen sind kaum dazu in der Lage, die meterhohen Hanfpflanzen abzuernten. Auch die Weiterverarbeitung gestaltet sich schwierig. Während die Baumwollfasern aufgrund ihrer technischen Eigenschaften mittels hochproduktiver Baumwollspinnmaschinen verarbeitet werden können, gibt es in Deutschland kaum Unternehmen, die sich auf die Verarbeitung von Hanffasern spezialisiert haben. Vielmehr werden die Hanfsamen genutzt, um daraus Öle zu pressen oder Lebensmittel herzustellen. Auf Seiten der Unternehmen müssten nämlich zuerst hohe Investitionen getätigt werden, damit die Ernte und Verarbeitung von Hanffasern optimal verlaufen kann. Doch kaum einer möchte diese Investition tätigen, solange sich die Baumwolle unangefochten auf Platz eins hält. Solange müssen qualitäts- und nachhaltigkeitsbewusste Kund:innen für den höheren Tragekomfort und die ökologischen Vorteile von Hanftextilien tiefer in Tasche greifen